Yvonne Müller-Aerni

Tango - Musik und Tanz voller Leidenschaft

DSC06696_2 —  Chor und "Orchestra Da Vinci" mit dem Geigenvirtuosen Giovanni Barbato und dem Dirigenten Dieter Wagner. Auf der Empore das Tango-Tanzpaar, Lorena Marmelstein und Silvio Grand<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-frick.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>272</div><div class='bid' style='display:none;'>4039</div><div class='usr' style='display:none;'>9</div>

Konzert der joyfulvoices und des „Orchestra Da Vinci“ in der reformierten Kirche Frick.

Es war ein Ereignis, das alle Erwartungen übertraf - das Konzert „Noche de Tango y Pasion“ der beiden „Zwillingschöre“ joyfulvoices Frick und Nuevo Proyecto Binningen-Bottmingen mit einem Orchester, welches das Publikum buchstäblich elektrisierte.
Die Leitung des Konzertes und die Auswahl der Lieder, die er mit seinen beiden Chören einstudiert hatte, oblag auch diesmal Dieter Wagner, aber der grosse Star des Abends war sicher Giovanni Barbato, Leiter des „Orchestra Da Vinci“ und virtuoser Violinist. Barbato machte auch gleich mit seiner Geige den Anfang. Es folgte eine zweite Geige, eine dritte - ähnlich, wie bei einem Kanon - und dann setzte das ganze Orchester in rascher Folge und in raschem Rhythmus ein, füllte die Kirche und beendete die „Ouvertüre“ mit einem langsameren melodischen Ausklang.
Inzwischen hatten sich die Sängerinnen und Sänger aufgestellt. Die Frauen schwarz gewandet mit knallroten Federschärpen auf der einen Körperseite, die Männer mit roten Hosenträgern über den schwarzen Hemden. Sie sangen die ironisch - schauerliche Ballade von Jacky Brown und Baby Miller - den Kriminaltango von Hazy Osterwald aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Ein Schuss, und es folgte ein Lied in spanischer Sprache mit einer innigen, melancholischen Melodie.

Alle Chorlieder waren vom Pianisten des Orchesters geschickt in das Programm von Piazollas Musik eingebaut. Astor Piazolla, der argentinische Komponist und Musiker, der von 1921 bis 1992 lebte, war der Begründer des Tango Nuevo, der den traditionellen Tango Argentino ablöste. Wie man von Video-Ausschnitten auf der seitlich angebrachten Leinwand erfuhr, war der traditionelle Tango, die Musik der kleinen Leute, in den Fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts mehr und mehr in Vergessenheit geraten und man eiferte auch in Argentinien moderneren Idolen, wie den Rolling Stones oder Elvis Presley nach. Piazolla nahm die charakteristischen Elemente des Tangos und stellte sie in seinen Kompositionen in einen neuen Zusammenhang. Aus einem Interview mit ihm selber, welches das Publikum auf der Leinwand verfolgen konnte, war zu erfahren, dass die Tango-Musik Elemente aus Italien - vor allem aus Neapel - und aus Spanien (Flamenco), aber nicht aus Afrika, wie die brasilianische Musik, enthält. Im Gegensatz zu jener ist der Tango Nuevo melancholisch und eher traurig. Typisch für den Tango Nuevo ist auch das Bandoneon, eine Art kleiner Handharmonika, das aber in diesem Konzert nicht eingesetzt wurde. Wer ausser dem Neapolitaner Barbato hätte die virtuosen Bandoneonläufe, die Glissandi und synkopischen Rhythmen besser auf die Geige umsetzen können? Für das Publikum war dieses Konzert geradezu eine anstrengende Sache, denn es wusste nicht, wohin es seine Blicke wenden sollte - auf den Chor, auf das Orchester und auf seinen Leiter, der mit seiner Violine kaum eine Pause machte, oder auf das Tangotanzpaar Lorena Mermelstein und Silvio Grand, das auf der Empore seinen erotisch-akrobatischen Tanz zur Musik ausführte.
Der Applaus, der schon nach den einzelnen Musikstücken aufgeflammt war, war dann am Ende auch dementsprechend frenetisch.
Datum des Konzerts: Freitag, 23. August 2019

Annemarie Schläpfer
Bereitgestellt: 30.08.2019     Besuche: 33 Monat 
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