Markus Karau

Fasten: Sozial-Spirituell-Leiblich

Fastenwoche2020<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-frick.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>253</div><div class='bid' style='display:none;'>4257</div><div class='usr' style='display:none;'>65</div>

Bericht von der Fastenwoche, welche mit einem «déjeuner des pasteurs», zu deutsch «Hirtenfrühstück» vom 15. März, endete.
Markus Karau,
Vorletzten Sonntag, als der ökumenische Brot-für-Alle/Fastenopfer-Gottesdienst mit Suppe-Zmittag ausfiel, haben wir 4 Fastenbrecher uns im leeren Kirchgemeindehaus getroffen: Drei Pfärrer und eine Teilnehmerin. Das ginge ja schon beinah als konspirative Virusverschwörung durch, selbst ohne Corona!

Das «dé-jeuner», wörtlich «Entfasten», genau wie das englische «breakfast», war eine selbstgemachte aber doch huntzkommune Gemüsesuppe, die nach diesen 5 Tagen ohne Fest-Nahrung wahrlich wie ein Fest-Essen schmeckte. Ohne Gruppenunterstützung hätte ich dieses Nicht-Ess-Abenteuer wohl nicht durchgehalten. Und mit der ausgewogenen Auswahl der Biotta «Wellnesswochen» Säfte vielleicht auch nicht. Am letzten Tag versuchte ich es mit Nur-Wasser-und- Kräutertee und dachte dann bei mir: «So fühlt sich also Hunger an». Ich begriff, warum meine deutsche Eltern- und Grosselterngeneration so viele Erzählungen über «Essen» und «Hunger» bewahrten.

Wir spendeten jedenfalls für die Saatkampagne 2020 und für eine Soforthilfe in Heuschrecken geplagten Ländern per HEKS (Hilfswerk der evangelischen Kirchen der Schweiz) eine hübsche Summe, die -angesicht fehlender Einnahmen an Suppentagen und Rosenverkäufen- wohl verhältnismäßig bescheiden zählt…

In der berühmten Fastenfibel Dr Lützners «Wie neugeboren durch Fasten» wird man mental auf diese Zeit eingestellt. Entsprechend weniger wird darin vor der Versuchung des Essens gewarnt, als vor wohlmeinenden und sich vergleichenden Menschen um einen herum. Und tatsächlich: Nun kamen sie alle ans Licht, die zeitweiligen Schokoladen-, Fernseh-, Kaffee-, Alkohol- und auf was noch alles Erdenkliche Verzichter und Verzichterinnen.

Ich musste nachdenken, wie denn das gemeint war von Jesaja oder Jesus «ein Fasten das Gott gefällt» und «Mach kein saures Gesicht, um deine Leidensleistung öffentlich darzustellen!» denn «Gott, der ins Verborgene sieht, wird es dir vergelten.»? Und ich kam zum Schluss, was unser heutiges Fasten, mit Aussicht auf die Menüs danach, und mit der Hoffnung auf permanent fehlende Kilos auf der Waage, denn nun bedeute. Und musste mir eingestehen: Purer Luxus! Aber sich die Sehnsucht erhalten für das wirklich Wichtige im Leben, dazu können solche Verzichtsübungen sehr wohl helfen.

Missen möchte ich all das in dieser Zeit Erfahrene aber auf keinen Fall, ja selbst die ausgebliebenen Erfahrungen haben ihren Wert! Auch war ich beeindruckt von den unzähligen Fastengruppen, die sich dieser Tage quer durch beide Konfessionen und über alle Landesteile hinweg trafen und noch treffen. Ich würde es dem Fricktal und speziell unserer Gemeinde darum herzlich gönnen, wenn sich 2021 wieder eine Fastengruppe bildete, und mehr als nur eine reformierte Nase daran teil nähme!


Bereitgestellt: 01.03.2020     Besuche: 3 heute, 98 Monat 
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